Englands Südwesten – Surfen und Wandern in Cornwall und Devon

on

Eine der schönsten Seiten am Reisen ist für mich Land und Leute kennenzulernen. Es müssen nicht immer die vermeintlich perfekten Sonnenuntergänge oder makellosen Landschaften sein. Nicht unbedingt Sommer, Sonne und Bikiniwetter. In England sucht man solch ein Wetter im April sowieso vergeblich, auch in Englands Südwesten. Es wird garantiert so gut wie jeden Tag regnen. Es wird mit Sicherheit kernig und die Wellen brechen krachend an den Strand und schieben unter Getöse die Steine übereinander Richtung Strand und wieder zurück in die Brandung. Bikini geht sicherlich auch, in den sieben Grad kalten Wellen ist man aber mit dicker Neomontur besser aufgehoben. Auch im Sommer.

Dass es im April nach England ging, hatte einen sehr schönen Hintergrund. Eine wunderschöne Hochzeit stand an und drumherum wollte ich die Gegend kennenlernen, in deren Söhne sich eine sehr gute Freundin von mir verliebt hat. Northdevon und die Küste, im Süden Cornwall, malerische Strände, Pubkultur und ganz viele potenzielle Hängemattenplätze sollten dort auf mich warten. Außerdem ein paar Gedanken an meine Reise nach Neuseeland. Die Schafe auf den hügeligen Weiden, die Steilküsten, das saftige Grün und diese endlosen Strände, all das hab ich am anderen Ende der Welt schon mal gesehen.

Es gibt entweder die Möglichkeit, sich einen Flug zu buchen und dann von Bristol oder London aus mit dem Mietwagen den Linksverkehr unsicher zu machen oder aber man startet den Roadtrip mit dem eigenen Auto von Deutschland aus, nimmt von Calais nach Dover die Fähre und beginnt an den weißen Klippen rund um Dover mit einem Abenteuer der erfrischenden Art. Von Nordschwaben bis zur Westküste in Northdevon ist man in etwa 18 Stunden unterwegs, je nach Verkehr und Lust auf Pausen. Die lange Reise lohnt sich, keine Frage. Gerade im Camper absolut empfehlenswert – mit der richtigen Playlist vergeht die Zeit sowieso schnell.

Wenn ich eine Reise plane, stelle ich mir eine Liste mit Möglichkeiten auf der Route zusammen. Meistens sollte für mich ein Zwischenstopp am Meer ganz zu Beginn dabei sei, vielleicht auch eine Stadt. Jetzt hat es bei meiner Anreise geschüttet ohne Ende und da war Wandern jetzt nicht so attraktiv. In Bournemouth bin ich dann zum ersten Mal mit der Regenjacke über die Klippen spaziert und hab die Wellen am Meer brechen hören. Ein wirklicher Surfspot war das nicht, aber ein schöner Strandspaziergang allemal. Wollte ja nur mal eben das Meer sehen.

Pineapple Loves: Southwest Coast Path

So grundsätzlich eignet sich Englands Südwesten hervorragend zum Wandern, beispielsweise auf dem Southwest Coast Path können Naturliebhaber 630 Meilen an der Küste entlang spazieren, vom Bournemouth im Süden bis etwas südlich von Bristol die Natur aufsaugen. Insgesamt ist die Strecke ein bisschen mehr als tausend Kilometer lang. Einen kleinen Teil des Weges hab ich jetzt hinter mir. Treppen, Klippen, Matsch und eine umwerfende Gegend, deren Abende man am besten auch in einem Bed & Breakfast mit Meerblick zu Ende bringt (nach dem Pubbesuch) haben Lust auf mehr gemacht und für mich steht fest: ich will da bald wieder hin.

Vergrößern

IMG_9694-e1522949167277
Coastal Walk (Bude)

Vergrößern

IMG_9649
Coastal Walk (Bude)

Vergrößern

IMG_9622
Coastal Walk (Bude)

Vergrößern

IMG_9620
Coastal Walk (Bude)

Vergrößern

IMG_0244
Coastal Walk (Bude)

Frank Turner und Exeter

Für mich ist England auch unweigerlich mit dem Musiker Frank Turner verbunden. Er ist jemand, der so gern die Gitarre in die Hand nimmt und sich alles von der Seele singt, ein herrlicher Irish-Folk-Rock-Singer-Songwriter, der seine Wurzeln ebenfalls im schönen Südwesten hat. Also kam es natürlich auch nicht von ungefähr, als ich an Tag 1 das schöne Exeter ansteuerte. Frank Turner singt nämlich in einem meiner absoluten Lieblingsliedern, „I Am Disappeared“, von Amy, die in einer Bar in Exeter arbeitet und bei der er schließlich und nicht überraschend auch mal übernachtet hat. Amy träumt gern vom großen Abenteuer und sagt, dass sie an ihre Träume glaubt, sie irgendwann verwirklicht und dahin geht, wo sie eben Lust hat. Vor allem dann, wenn das Leben wieder „10000 Tonnen wiegt“.

„Keep having dreams“ ist eine gern zitierte (vor allem von mir) Textzeile aus dem Song. Und so singt auch Frank Turner, dass er ging, um eben seinen Traum zu verwirklichen. Daumen raus und mit einem wildfremden in den Sonnenuntergang fahren. Der guten Amy ist am Ende von Frank schließlich nicht mehr als sein Abdruck im Bettlaken geblieben.

In Exeter bin ich zwar nicht Frank Turner begegnet, habe aber einen wichtigen Punkt auf der England-Touri-Liste abgehakt und bei „Neptunes“ Fish & Chips“ gegessen. Der Besitzer hat nach einem kurzen Gespräch erzählt, dass er früher in Deutschland arbeitete. Ich aß am Tisch und er zeigte mir kurze Zeit später ein Bild von sich, zwanzig Jahre jünger von irgend einer Messe in Hannover. „Besondere Zeit“, sagte er und ich nickte ihm zu. England würde für mich sicher auch eine besondere Zeit werden.

Nach einem Abstecher im Supermarkt, um ein bisschen Essen und Trinken für die Reise zu kaufen (über Eichenholz geräucherter Käse und Cornish Beer kann echt was), ging die Reise weiter Richtung Westen.

Viel Spaß beim Song hören <3

Von Exeter aus lenkte ich die Karre weiter über enge, von Hecken gesäumte Landstraßen an die Westküste. Ein Stopp in Burton Bradstock war besonders schön. Die weißen Häuser mit den Walmdächern versprühten einen besonderen Charme. Über kleine Gassen führte der Weg zum Meer, zu bröckelnden Steilklippen (siehe Titelbild). Gut eine Meile hinter mir, in West Bay, wurde die Serie „Broadchurch“ gedreht, die ich derzeit recht gern ansehe und die sich herrlich zum Schwelgen in Gedanken an diese Reise eignet.

Vergrößern

IMG_9477
Burton Bradstock mit starker Brandung unterhalb der Klippen

Vergrößern

IMG_9406
Blick von den Klippen

Bude und Umgebung

Ich parkte im Sonnenuntergang vor einem Bed & Breakfast direkt am Meer und fiel dann aber nach 48 Stunden mit sehr wenig Schlaf relativ schnell ins Bett. Dafür weckte mich am nächsten Morgen schon bald die Sonne und ich schaute raus ans Meer, um mich mit ein paar Surfern zu unterhalten, was hier geboten ist. Sie erzählten, dass es ein wenig weiter nördlich eine gute Left gibt (eine Welle, die nach links bricht), auf der hauptsächlich die Lokals surfen. In Bude selber seien Anfänger ganz gut aufgehoben. Bei einem Küstenspaziergang machte ich mir selbst ein Bild von den Wellen, wusste aber schon, dass ich erst in Croyde ins Wasser möchte.

Vergrößern

IMG_9567
Das Bed & Breakfast am Meer

Vergrößern

IMG_9598
Blick aus dem Zimmer auf die hügelige Landschaft

Vergrößern

IMG_9595
Die Surfer nutzen den Swell am Morgen

Vergrößern

IMG_9589
Die Surfer nutzen den Swell am Morgen

Vergrößern

IMG_9594
Die Surfer nutzen den Swell am Morgen

Vergrößern

IMG_9572
Ein wunderschöner Morgen

Am Nachmittag stand das letzte Ziel dieser Reise bevor: Croyde. Ein kleines Dörfchen aber dennoch Surfermetropole. Es gibt keinen Supermarkt, Geldautomat oder Tankstelle, dafür diverse Pubs, Restaurants, charmante Hotels und mindestens drei Surfshops. In einem Laden für alles gibt es herrlich leckeres Blätterteig-Food und Eis. Na hier kann mans aushalten.

Neben Hotels, Campingplätzen, B&Bs oder Ferienhäuser findet man hier auch Platz über Airbnb.

Surfen in und um Croyde

Vergrößern

IMG_0310
Croyde Bay - vorn hängen die Familien ab, im Wasser toben sich die Surfer aus.

Croyde Bay (A-Frame, kann heftig werden, Beachbreak)

Saunton Beach (Beach-Break, Easy)

Putsborough Beach (Beach-Break, easy)

Es ist übrigens ein häufiges Bild: Surfer tragen die volle Neomontur und das Brett unter dem Arm und gehen durch das gesamte Dorf bis runter zum Strand, während es regnet. Fahrradfahrer und Autos überholen sie auf der Straße. Und keiner wundert sich.

Croyde Surf Club Interpubs supported by St Austell Brewery from Croyde Surf Club on Vimeo.

Surfen in Cornwall und Devon

Es gibt entlang der gesamten Südwestküste einige gute Surfspots, so gut, dass es Surfer aus der Ecke auch zu Big-Wave-Surfern geschafft haben.

Einen guten Überblick gibt es auf der Seite von Wave-Culture  und im folgenden Video.

SURFING GB 2015 from Surfing England on Vimeo.

Zum Schluss noch eine Frage an euch: Wie hat es England geschafft, euch zu verzaubern? Was hat euer Reiseherz nicht mehr losgelassen? Hinterlasst mir einen Kommentar. Bei mir waren es die Wellen, die Indiemusik in den Pubs und die Einheimischen.

Eure Verena von Pineapple Loves

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.