Spreewald Fun-Tour: Aufsteigen bitte!

Sofort den Rucksack packen! Sofort Richtung Spreewald!

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Mit saftigem Grün lockt der Spreewald die Städter aus Berlin und andere Naturliebhaber aus ganz Deutschland. Ein paar Stunden Erholung und Vergnügen wollen sie. Und das bekommen sie dort. Nach einem leckeren Babbenbier-Radler aus dem Flaggschiff schnappen wir – Lydi und Verena – uns die Räder und tragen sie nacheinander über drei Holzbrücken. Darunter manövrieren die Kahnfahrer viele Touristen durch das Wassernetz. Unser Ziel ist bisher noch nicht klar. Am Ende des Tages wird unser Hintern schmerzen, der Bauch vom Lachen auch und die Erkenntnis kommen, dass das Paddeln deutlich mehr Muskeln beansprucht, als angenommen. Wir bereuen allerdings nichts, im Gegenteil. Wir wollen direkt wieder zurück.

Wir radeln auf langen schmalen Pfaden und breiten Wegen. Links und rechts wachsen Birken zwischen den Flussläufen in die Höhe. Von Lübbenau starten wir über Lehde nach Leipe, immer auf der Suche nach dem Gurkenradweg. Ja, richtig gehört. So ganz ernst haben wir ihn allerdings nicht genommen. Tatsächlich kann man auf dem Gurkenradweg aber viel über die traditionellen Spreewaldgurken erfahren.

Spreewaldhof in Leipe: Start der Kayak-Tour

Unser erster Stopp ist der Spreewaldhof in Leipe (hier gehts zur Radkarte durch den Spreewald). Dort verstauen wir unsere Rucksäcke in einem kleinen Holzhaus und balancieren von einem Steg in ein Zweier-Kayak. Auf einer eingeschweißten und somit vor dem Wasser geschützten Karte versuchen wir uns in dieser riesigen grünen Lunge Brandenburgs zurechtzufinden. Mit dem Paddel fest in der Hand und den Wassertropfen, die von dort auf den Oberschenkel abperlen, geht es tief in den Kanal. Der Blick zum Land ist durch das Dickicht am Ufer weitgehend versperrt. In der Ferne grollt der Donner. Immer wieder fahren wir an anderen Touristen vorbei. Die Leute in den anderen Booten sind junge Pärchen, Familien, Kumpels, Senioren. Trotz Schatten der Bäume ist es an diesem Tag darunter schwülwarm. Macht gar nichts.

Spreewald

Spreewald
Kanu fahren im weit verzweigten Flussnetz des Spreewald.
Über das weit verzweigte Flussnetz führen viele Brücken.
Über die Kanäle führen viele Brücken.

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„Die Schwerere von euch muss nach hinten“, sagt uns die gute Seele des Kayak-Verleihs zu Beginn, ein älterer Mann. Bessere Wasserlage, meint er. Ich setzte mich also auf die hintere Bank und passe mich später Lydis Paddel-Schlägen an. (Wir haben übrigens auch mal die Position getauscht, was überhaupt nicht funktioniert hat. Wir sind von einem Ufer ins nächste gefahren und haben uns ständig im Kreis gedreht.) Andere Wasserverkehrs-Teilnehmer haben wir nicht gefährdet. Umgekehrt war das anders. Mindestens zwei Mal wurden wir gerammt.

Und noch so eine merkwürdige Begegnung bringen wir hinter uns. Wir wollen Sonne auf der Haut fühlen und fahren deshalb im Bikini-Oberteil. Der Senioren-Kahn, der uns entgegensteuert, findet den Anblick wohl nicht schlecht. So weit so naja. Allerdings kann sich ein Herr seinen Spruch nicht verkneifen und gibt uns den frechen Hinweis, dass obenohne ja viel schöner wäre, also für ihn und seine Kumpels, die Männer. Schon klar, aber, Entschuldigung, gehts eigentlich noch?! Sein Boot fand es witzig. Wir konnten nicht lachen. Ob den älteren Grazien im Badeanzug 50 Meter vor uns die gleiche Empfehlung ausgesprochen wurde? Als das Rentner-Boot dann Fotos von uns macht, als wären wir eine seltene Art Spreewald-Urtiere, sind wir komplett genervt. Der Gedanke von Schiffe versenken gelangt uns in den Kopf. Kurze Zeit später beenden wir unsere Kayak-Fahrt. Nicht wegen den Holzköpfen. Was geht das Paddeln in die Schultern…

Auf den Rädern fahren wir weiter und kommen vorbei an riesigen Gutshöfen, rollen über Holzbrücken und kämpfen gegen den immer stärker werdenden Wind. Ringsum Idylle. Das trüben auch nicht die schwarzen Wolken über uns. Ein kurzer Zwischenstopp in Vetschau mit Gurkensalat und Kartoffeln mit Spreewaldquark so wie Leinöl aus dem Spreewald lassen wir uns nicht nehmen. Yummi.

Lydia (links) und Verena genießen die Ruhe im Spreewald.

Nach ein paar Tropfen Regen gelangen wir zur Slawenburg in Raddusch. Ein Nachbau einer ehemals ringwallförmigen Burganlage aus dem 9. und 10. Jahrhundert nach Christus. In der Burgmauer befindet sich eine archäologische Ausstellung. Außerdem kann man auch auf der Burg entlanggehen. Der Einritt für Erwachsene kostet sieben Euro. Ein kleiner Hinweis der Eigentümer: „Bitte nicht in das Geflecht treten.“ Machen wa nich, versprochen.

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Niemals!

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Extravagantes oder Spektakuläres braucht der Spreewald nicht. Die Natur reicht voll und ganz. Wem das zu wenig ist, der hat seinen Spaß auch im Beobachten der teilweise sehr speziellen Touristen.

Wichtige Daten

Etwas mehr als eine Stunde südöstlich von Berlin öffnet sich der Spreewald. Einen Tag lang Abschalten von der beschäftigten Stadt funktioniert perfekt, ganz egal mit welchem Budget man anreist.

Nicht vergessen:

  • Mückenspray und Sonnencreme
  • Gaaaaaanz viel Wasser
  • Proviant
  • Bikini und Badehose
  • Spontan eine Unterkunft zu finden ist schwierig. Besser lange vorher buchen oder dann die Ansprüche runterschrauben, gegebenenfalls ein Zelt einpacken.

Anreise mit dem Auto:

  • vom Süden: A 13 Richtung Berlin
  • vom Norden: A 13 Richtung Dresden

Anreise mit dem Zug aus Berlin:

  • Mit den Öffis zum Ostbahnhof
  • Mit der Regiobahn nach Lübbenau
  • Rückfahrt nach Fahrradtour von Vetschau, Lübbenau oder Lübben