Christchurch: Ein Leben nach dem Erdbeben

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Zittern, für fast 30 Sekunden

Christchurch wurde im Februar 2016 einmal wieder von einem Erdbeben erschüttert. Als ich vor zwei Jahren dort meine ersten Schritte über neuseeländischen Boden machte, waren vom starken Erdbeben 2011 immer noch Bauzäune und Durchgangsverbotsschilder zu sehen. Diesmal kam die Stadt glimpflich davon.

2014 traf ich einen älteren Mann, der seine Mülltonne vom Gehweg in den Hof zerrte und kam mit ihm ins Gespräch. Damals sagte er, dass kaum etwas so sei wie vor dem Beben. Die Regierung hätte versprochen, den Bürgern beim Aufbau ihrer Häuser zu helfen. Doch die Baufirmen seien in einer Flut an Aufträgen ertrunken. Der Mann wirkte gefasst und dennoch klang seine Stimme betroffen über das, was damals geschehen ist. Mit 6,3 auf der Erdbebenskala ließ das Beben die Erde rund um Christchurch fast 30 Sekunden zittern. Die Christ Church, ein Wahrzeichen der Stadt, fiel – wie dutzende andere Gebäude – in sich zusammen und fast 200 Menschen starben. Der größte Schaden entstand im Stadtzentrum. Neben den Baustellenzäunen, den Kränen und Bauarbeitern, den Straßensperren und den teilweise immer noch eingefallenen Häusern, war es vor allem die Stille in der Stadtmitte an einem Samstagnachmittag, die für mich gespenstisch wirkte. In einem Stadtpark weiter draußen änderte sich dieses Bild. Die Menschen liefen über die Flussbrücken oder spielten Frisbee auf den Wiesen. Der Stadtkern allerdings, der war 2014 verlassen.

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Christchurch liegt an der Ostküste auf der Südinsel Neuseelands. Es ist die zweitgrößte Stadt, nach Auckland. Mein Hostel war ein ehemaliges Gefängnis. Ein paar Meter weiter entdeckte ich eine Bar, die auf den Namen „Pedal Pusher“ hört. Auf ihrer Homepage schreiben sie „Everyone needs a place to escape“. Im Nachhinein betrachtet ist das vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Das einzige was verschwand, war mein Geld wegen des sündhaft teuren Biers. Trotzdem konnte ich auf den Barhockern in Form von nostalgischen Fahrradsatteln endlich ankommen in Neuseeland. Und überlegen, was die folgenden drei Wochen auf meinem Trip passieren wird.

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