Der Schwarzspecht und mein Geburtstag durch ein Fernglas

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Vor einigen Tagen war die Welt zwar nicht in Ordnung, aber immerhin erträglicher als vor meinem 31. Die Sonne schien, ich stellte mich auf das Homeoffice ein. Und wenn man ein schönes Home hat, gibts da ja nichts zu befürchten für die Zeit im Office.

Meine Arbeitsumgebung an einem Fenster im Wohnzimmer hab ich mir zu Gründungszeiten der Paddlerei gemütlich und funktional eingerichtet. Holztisch, großer Bildschirm, der Platz für alles was keinen Platz findet war irgendwo hinter dem Sofa. Die Mimose steht neben einem von Weihnachten übrig gebliebenen Blumenstock mit grünen Blättern und roten Früchten am Fenster. Die Baustelle, die seit dieser Woche dort ziemlich viel Staub aufwirbelt, hat mich noch keine Nerven gekostet. Ich blicke direkt auf zwei schöne Fachwerkhäuser, das eine weiß mit weinroten Fensterläden, das andere ist mit weinrotem Fachwerk und dunkelgrünen Fensterladen. Man könnte sagen: Its a Match. Wenigstens das passt.

  1. Dann freuen wir uns eben über Tierhintern
  2. Die erste Seite im Corona-Tagebuch
  3. Freestyle in das neue Jahrzehnt
  4. Surfvibes zum Ausmalen

In den vergangenen Tagen breitete sich die Corona-Pandemie in Europa so stark aus, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Regierung Ausgangsbeschränkungen wie jetzt am 21. März verteilt. Wir sitzen als 2020 in unseren Wohnungen und Häusern und müssen uns sagen lassen, dass sämtliche Freiheiten eingefroren werden. Draußen akzeptieren viele noch immer nicht, was auf uns zukommen könnte, wenn wir nicht daheim bleiben.

Statt schnell zu schalten, schnell daheim zu bleiben, sodass sich das Virus nicht mehr so schnell ausbreitet, wird schnell scharf geschossen. Auf Twitter werden Fotos der Frühschoppen-Opis geteilt und gemeinsam auf deren Dummheit geschimpft. Selbes gilt für Schüler, die auf Corona-Partys das verschobene Abitur feiern. Darunter kommentieren diejenigen, die noch hoffen, dass ja alles gar nicht so schlimm wird. Sie beharren auf die jahrzehntelang erkämpften Freiheiten. Ich will die auch nicht hergeben. Ich meine allerdings, dass sie schneller wieder aus dem Corona-Kühlfach genommen werden können, wenn die Lösungsversuche der Virologen ernst genommen werden und der Egoismus der Erkenntnis weicht.

Dann freuen wir uns eben über Tierhintern

Vor zwei Tagen war mein 31. Geburtstag. Ich hab mir mal vorgenommen, dass ich bis in meine 30er auf einem soliden finanziellen Polster sitzen will, dass mir jederzeit das Reisen ermöglicht. Inzwischen hoffe ich einfach nur, dass der Pandemie-Spuk bald ein Ende hat. Dass die wirtschaftlichen Folgen für alle möglichst im Rahmen bleiben. Dass ich auf keiner Beerdigung sagen muss, hätte man diese Lungenkrankheit ein bisschen früher viel ernster genommen.

Vor zwei Tagen feierte ich meinen Geburtstag mit meinem Freund im Wald. Er schenkte mir ein Fernglas, das eigentlich für die Berge gedacht ist. Wegen dichter Grenzen und Ausgangseinschränkungen tingeln wir lieber in die heimischen Wälder. Schwarzspecht statt Steinadler und Hirsch statt Steinbock. Nach kurzem Blickkontakt zeigten die Tiere uns zwar nur noch ihr Hinterteil und ergriffen die Flucht, aber diese Lebewesen da so herrlich grasend auf der Lichtung oder in den Bäumen zu sehen, hatte etwas Friedliches, einfach herrlich. Dann freuen wir uns eben über Tierhintern. Das Fernglas erweitert auch daheim meinen Blickwinkel. Es schärft meinen Blick auf Dinge, die weit vor uns liegen. Man bekommt sie trotzdem nicht zu fassen, aber der Fokus passt wieder.

Die erste Seite im Corona-Tagebuch

Es bleibt gerade kein Stein auf dem anderen. Seit ich mich erinnern kann war vieles noch nie so ungewiss wie jetzt. Durchdrehen ist legitim. Überall posten sie: „Bleibt zuhause“. Zwei Worte und sie sind nicht deutlich genug. Es sind seltsame Zeiten. Gehts nur mir so? Viele Gedanken halt ich kaum aus. Also teile ich sie einfach mit euch. Schlagen wir doch die erste Seite im Corona-Tagebuch auf.

Es geht mir nicht gut. Trotz Home-Gym und Laufeinheiten fehlt mir mein Fitnessstudio, das Rettungsschwimmen, die Entscheidung, frei wählen zu können, wo ich sporteln möchte. Die ungewisse Zukunft lähmt meine Kreativität. Dann wieder sprudelt es nur so aus mir heraus.

Ich schreibe immer schon Tagebuch. Mal regelmäßiger, mal detaillierter, dann wieder hab ich nur die Kamera in der Hand. Jetzt will ich die Zeit nutzen, um etwas zu fokussieren, für dass ich mir in den letzten Jahren nie Zeit nehmen wollte. Was blöd war. Ich kümmere mich jeden Tag um meinen Körper, schaue, dass es ihm gut geht. Ich fand für mich einen guten Mix aus Soulfood und grünem Gemüse. Aus intensivem Sport und Meditieren. Nur meinem mentalen Wohlbefinden habe ich stets zu wenig Zeit eingeräumt. Ich höre zwar seit längerem Podcasts zu diesem Thema, aber aktiv gefördert habe ich die Sache Mental Health bislang nicht. Also tu ichs jetzt.

Und schrieb ich drei Tage nicht, entschuldigte ich mich. Völliger Quatsch.

Wie schreibt man auf, was einen bewegt? Früher war ich der klassische Liebes-Tagebuch-Schreiber. Und schrieb ich drei Tage nicht, entschuldigte ich mich: „Liebes Tagebuch, sorry, dass ich mich jetzt länger nicht gemeldet hab.“ Was nett gemeint aber völliger Quatsch war. Immerhin unterliegt das Schreiben keinem Zwang. Später startete ich meinen Blog für Reise-Geschichten. Aufschreiben, was einen bewegt, das hilft um einige Dinge klarer zu sehen uns sie auch abzulegen. Stellen wir uns alles einfach öfter mal die Frage: Was bewegt mich? Warum? Warum komme ich nicht weiter? Und warum eigentlich? Viele Fragen kann man im Handumdrehen selbst beantworten. Wenn das nicht drin ist, weiß man allerdings auch schon, wen man fragen könnte, um die Hindernisse zu überwinden, die einem im Weg stehen, um wieder klar zu sehen. Vielleicht ist in diesem Fall nicht ein Fernglas das richtige Instrument, aber ein Gespräch mit Freunden ganz sicher.

Freestyle in das neue Jahrzehnt

2020 – allein die Zahlenkombination klang doch so verheißungsvoll. Und jetzt schreibe ich in ein Tagebuch, weil ich neben all meinen Hoffnungen verzweifelt bin. Alle Planungen sind überholt, wir gehen Freestyle in ein neues Jahrzehnt. Das ist auf der einen Seite nichts Schlechtes. Auf der anderen Seite jagt uns die Ungewissheit zurecht eine unfassbar große Angst ein. Bleiben meine Lieben gesund? Behalte ich meinen Job? Bleibe ich gesund?

Mit der mentalen Gesundheit ist das so eine Sache. Man sollte sie trainieren wie einen Muskel, ihr Erholungspausen geben, betüdeln gehört auch dazu. Ich helfe mir da gerade mit Meditations-Apps und der App 29K – auch sie ins ein Instrument, um wieder klarer in sich hineinzusehen. Denn Psychologen oder Coaches sind rar, Termine schwer zu bekommen. Unversucht verlassen sollte man aber auch den Versuch nicht. Jeder hat Gesprächsbedarf, man sollte seine eigenen Erlebnisse nicht runterspielen, nur weil es anderen vielleicht schlechter geht, was die psychische Verfassung angeht. Ich trainiere schließlich auch nicht erst dann im Fitnessstudio, wenn ich nicht mehr fit bin, sondern um vorzubeugen. Für eine Routine.

Surfvibes zum Ausmalen

Für mich gibt es auch durch die Ausgangssperre keine Langeweile. Aber ich freue mich über die Kreativität im Netz, mit der man der Langeweile begegnen könnte und nutze sie schon jetzt. Zum Beispiel hat einer meiner Lieblingskünstler online neben seinem Portfolio freiverfügbare Malvorlagen veröffentlich. Ich verlinke euch diese hier im Text. Sieht dann so aus:

Erstaunlich finde ich auch, wie sich die kleinen Unternehmen versuchen, in der Krise zu helfen. Mein Fitnessstudio, das Rieser Kraftwerk in Nördlingen, veröffentlicht zum Beispiel über eine App Trainingseinheiten für seine Mitglieder. Andere Unternehmer bieten Online-Kurse an, zur Meditation und zur Yoga-Praxis. Ich hab mich in diesen Tagen wirklich oft über die Kurse von Katha vom Yoga-Blog Wampediboo gefreut. Energieboost pur.

Ich will euch gern in den nächsten Tagen noch mehr von den Angeboten zeigen. Um euch zu inspirieren und um zu verhindern, dass diese großartigen Projekte ins Straucheln geraten.

Zu guter letzt, wollen wir die Musik nicht vergessen. Durch meine Freundin Lydi bin ich heute auf diesen wunderbaren Song von Danger Dan von der Antilopen Gang gestoßen. Genießt, bleibt dabei und kümmert euch gut um euch.

Verena von Pineapple Loves

„Ich fühl mich ein bisschen erkältet und hoff dass es Raucherhusten ist“ – Danger Dan, Antilopen Gang

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