Lienzer Dolomiten – Zwischen Adrenalin und scharfem Fels

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Kapitel 1: Das Klettern auffrischen
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Der Felsspalt über uns stieg beinahe senkrecht an. Ein Stahlseil sollte das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Doch sind wir mal ehrlich: Hätten wir das Gleichgewicht verloren oder den Fuß am Berg vorbei gesetzt, dann wären wir tief gefallen. Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, ob diese Tour in den Lienzer Dolomiten tatsächlich ohne Gurt und Seil möglich war. Schroff und scharf drückte sich der Fels in unsere Hände, als wir die letzten Meter Richtung Plateau klettern.

Oben angekommen versicherte ich mich noch ein letztes Mal, ob dieser Weg klar geht und fragte einen, der so aussah, als würde er hier öfters herumstiefeln. Gemeinsam mit Frau und dem Hund am Seil stand er im vermutlich neuesten Wanderer-Outfit – oben neonorange, unten beige – mit Blick Richtung Berggipfel. „Kloar kennts da aufi, nachm Gröllfeld seids own.“ Geil dachte ich mir, setzte meinen Schuh einen Schritt nach vorne und rollte mit den Steinen erst mal einen Meter zurück!

Am Ende des Geröllfelds angelangt lag zu unserer linken eine überwältigende Wand, die Laserz-Wand. An ihr vorbei stiegen wir durch einen kleinen Spalt im Fels und der Wind presste uns plötzlich die eisige Luft ins Gesicht.

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Kapitel 2: Die Aussicht genießen
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Die Lienzer Dolomiten sind ein herrliches Wandergebiet. Die Kletterrouten sind sehr vielseitig und anspruchsvoll, sind aber in diesem Artikel nicht thematisiert.

Unsere Wander-Tour startete kurz nach dem Parkplatz vor der Dolomitenhütte. Der Rudl-Eller-Weg ist bis zur Karlsbader Hütte knapp fünf Kilometer lang. Von 1616 Metern geht es auf 2261 Meter hoch. Mit Einkehrtour und ein paar Fotopausen waren wir gut sechs Stunden unterwegs.

Bis zur Laserzwand ging es über steile Almwiesen und rutschige Steinplatten. Zwischenzeitlich gab der Wald Schutz vor dem Wind. Der steile Anstieg der Laserzwand stieg an bis zum Hohen Törl. Der Trampelpfad führte rechts vorbei am Startpunkt der Klettertouren. Am Ende erkannten wir die Karlsbader Hütte schon aus der Ferne.

Karlsbader Hütte

Dort angekommen sahen wir schon unsere Belohnung vor uns. Ein leckeres Essen. Im Herbst war die Hütte umgeben von viel grauem Geröll. Mit dem Wind, der uns um die Ohren pfiff, fühlte sich die Luft an wie im kalten Winter. Hinter der Hütte liegt der Laserzsee. Davor ragt ein Schild in die Höhe auf dem steht, dass Baden sowie Waschen verboten ist. Das Wasser aus dem See ist das Trinkwasser für die Karlsbader Hütte, auf der man auch übernachten kann.

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Kapitel 3: Schlemmen nicht vergessen
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Umso erstaunlicher scheint das, was im Inneren wartet. Typische Tiroler Gerichte. Neben Kaiserschmarren stehen da Kaspressknödel und Tiroler Gröschtl in der Karte. Während an der Bar ein paar Wanderer Weizen um Weizen und Schnaps um Schnaps kippten, wärmten sich andere am Ofen. Alles hell und aus Holz. In den Obergeschossen sind Zimmer für diejenigen, die am nächsten Morgen früh raus wollten oder die, die abends umso schwerer von der Bar weggekommen sind.

Ein Stückchen oberhalb von der Karlsbader Hütte liegt einen kleine, alte Holzhütte. Auf den Fensterbrettern außen stehen abgebrannte Teelichter. Davor steht eine Holzbank.

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Im Hintergrund liegt die Karlsbader Hütte. Sie öffnet meist im Juni.
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Die kleine Materialhütte ist unbewohnt.

Der Eller-Weg eignet sich gut für Tagestouren von Wanderern mit Kondition und Trittsicherheit. Einen alternativen Rückweg gibt es über einen breiteren Kiesweg, an dessen Ende die Dolomiten-Hütte liegt. Dieser Weg ist gleichzeitig der einfachere Zustieg. Die Hütte ist ein Traum, um den Sonnenuntergang zu genießen oder im Sonnenaufgang aufzuwachen.

Lienzer Dolomiten
Herbstlicher Blick auf die Lienzer Dolomiten.

Lienzer Dolomiten: Wissenswertes für den Trip

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Kapitel 4: Gute Nacht sagen in den Berggipfeln
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Lienzer Dolomiten: Dolomitenhütte

Lienzer Dolomiten

Anfahrt: Von Deutschland geht es über die Felbertauernstrasse in den Lienzer Ortsteil Tristach. Über die Dolomiten Höhenstraße fahren Wanderer bis zum Ende der Mautstraße. Nach der Schranke geht es bis zum Parkplatz. Der Blick auf die Lienzer Dolomiten wartet schon.
Tipp: Früh morgens los und das Frühstück in der Dolomitenhütte noch mitnehmen. Oder sich abends mit einem Drink belohnen.
Die Mautstraße kostete bei unserem Besuch 2016 zehn Euro.
Übernachtungsgäste sollten im Vorfeld checken, ob die Dolomitenhütte oder die Karlsbader Hütte freie Betten haben.

Text: Verena Mörzl

Fotos: Verena Mörzl, Matthias Wengert

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