Meine ganz persönliche Reisekrise

Manche Gedanken reißen dich aus dem Alltag. Wars das? Wird mir alles zu viel? Warum Länder sammeln wie Briefmarken? Warum nicht besser Momente genießen und das schätzen lernen, was mich glücklich macht? Es ist nicht so, als hätte ich über einen Schatten springen müssen, um mein Inneres nach Außen zu tragen und meine Gedanken zu meiner Reisekrise endlich einmal aufzuschreiben und loszuwerden.

Aber ich habe nicht gedacht, dass es einen Bruchteil der Community interessieren würde, was in meinem Kopf passiert, wenn ich im Bulli sitze und sinniere, mit dem Bus quer durch Marokko tingle und keinen klaren Blick bekomme oder eben früh morgens wach liege. Darum schreibe ich diese Zeilen nicht auf. Und darum geht es auch eigentlich gar nicht. Aufschreiben hilft. Gedanken zu teilen auch. Vielleicht bin ich nicht die einzige, die darüber nachdenkt und hin und wieder eigene Projekte infrage stellt.

Meine persönliche Reisekrise – Wie komm ich da wieder raus

In diesem Jahr habe ich mir viele Gedanken über den Sinn des Reisens gemacht. Nicht philosophisch, denn dahingehend bin ich mir sicher, dass es nach wie vor nichts Wertvolleres gibt, als sich von den Menschen fremder Kulturen bereichern zu lassen. Aber ich habe mir Gedanken zu sämtlichen anderen Dimensionen gemacht. Ich machte mir meine persönliche Reisekrise, wenn man das so sehen mag.

Es gab 2018 viele Momente, da war ich nur kurz zu Hause, packte den Koffer aus, neue Sachen ein und schon ging es weiter. Warum nochmal? Wochen, wenn nicht gar Monate später wirkte die Reise erst. Ich freute mich kaum noch, endlich wieder auf Achse zu sein. Zu manchen Sachen hätte man im Nachhinein betrachtet auch einfach Nein sagen können.

Als ich mit etwas Abstand die Bilder vom Snowboard-Camp aus Lech am Arlberg sah, von unserem Roadtrip durch Osttirol und die Dolomiten, von den Paddel-Touren auf glasklaren Bergseen, erfüllte mich erst mit viel Abstand das Glück, das sich sonst schon in der Vorfreude zeigte.

Wie so oft, verdirbt einem ein Zuviel an etwas die Sache selbst. Es war nicht diese Müdigkeit, die einen auf langen Reisen packt, wenn man genug von den täglichen Eindrücken hat und das Unterbewusstsein geregelten Tagesablauf einfordert. Alles drehte sich einfach zu schnell. Für mich: zu viel Input.

Es hat allerdings wirklich lange gedauert, bis ich bemerkt habe, dass ich eine Pause brauche. Mir Gedanken machen muss. Dieses Jahr war es so weit.

Fliegen, Social Media, das Profilieren mit quadratischen Bildchen: War das noch ich?

Ich hinterfragte plötzlich so vieles. Das Fliegen, Social Media, das Profilieren mit quadratischen Bildchen. Und schließlich war ich mir nicht mehr so ganz sicher, warum ich beispielsweise angefangen habe, diesen Blog zu füllen. Warum es mich nach dem Studium nach Australien und Neuseeland zog. Warum ich lieber mit dem Rucksack unterwegs war, für eine eigene Wohnung zu sparen, die mir vielleicht einmal gehören könnte. Was war eigentlich los? Meine sonst so lockere Einstellung gegenüber Neuem war verflogen, als wäre ich ängstlich geworden. Ich grübelte mehr, als zu genießen, als einfach drauf los zu gehen, und mich überraschen zu lassen.

Ich musste meinen Kompass neu ausrichten

War das noch ich? War das noch mein Weg, um die Welt zu entdecken? Ehrlicher Weise muss ich sagen: Ja. Nur die Richtung stimmte nicht mehr, in die ich ging. Der Konsum übertünchte die Leidenschaft. Ich war wie geblendet. Wollte mehr meinen Blog wachsen lassen, als das Wesen der fremden Länder zu entdecken. Legte zu viel Wert auf die Geschichten, die andere interessieren können, als auf meine Vorlieben. Ich musste meinen Kompass neu ausrichten. Dann stellte ich einmal wieder meinen Blog infrage.

Ich schreibe gern über Reisen, egal wo sie hinführen. Und wenn es nur eine Nacht im Bus ist, an einem nahen Ort, den ich noch nicht gesehen habe. Ich liebe Bilder und deswegen fotografiere ich. Ich will andere inspirieren. Wo besser könnte mir das gelingen, als auf meinem Blog?

Und warum sollte ich meine Inhalte nicht auch bewerben, sodass sie gelesen werden? Auf Instagram und meinetwegen auch auf Facebook (Hassliebe. wirklich). Es geht nicht ums Profilieren mit quadratischen Bildchen. Und klar bekommen meine Geschichten in den Zeitungsveröffentlichungen mehr Aufmerksamkeit. Darüber bin ich auch sehr froh. Doch dort erscheinen nur die großen Storys. Ohne meinen Blog, würden die kleinen vielleicht verloren gehen. Und manchmal sind es eben genau die winzigen Anekdoten, die jemand dazu inspirieren könnten, das selbe auszuprobieren.

Sollte ich mich von meinem Blog trennen?

Es gibt keinen Grund, dass ich mich von meinem Blog trenne. Es scheint so klar und dennoch musste ich mir das in den vergangenen Wochen oft einreden. Meine eigene Reisekrise waren sicher auch die Gedanken über die Art, wie ich meine Abenteuer wahrnehme. Sollte ich sie für mich behalten oder über den Blog teilen?

Für mich wurde klar, es sollte mir nur nicht darum gehen, so viele Leute wie möglich zu erreichen. Ich setzte mich selbst viel zu arg unter Druck, ich verglich mich mit Reisebloggern, die irre gut sind und davon leben müssen. Ich verdiene kein Geld mit meinen Geschichten auf Pineapple Loves. Der Blog ist eines meiner Herzensprojekte und da gehört eben Zeit und Liebe rein.

Und selbst wenn nur eine Person hin und wieder bis zur letzten Zeile meiner Texte liest, muss mich das nicht stören. Selbst wenn es nur mir danach besser geht, hat sich das Aufschreiben gelohnt. Immerhin sind diese Worte vor allem an mich gerichtet: durchatmen. Läuft schon!

Verena nimmt euch mit an magische Orte und schreibt über andere schöne Dinge. Lasst euch auf ihrem Reiseblog Pineapple Loves inspirieren.

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