Nationalpark-Tagebuch: Das Hotel Taurerwirt ins Herz geschlossen

Sommerurlaub beim Taurerwirt im Nationalpark Hohe Tauern. Ein Hotel, an das man guten Gewissens sein Herz verlieren darf, in alpiner Gebirgswelt und weit mehr als nur einem hölzernen Himmelbett. Ein Ort zum Wohlfühlen.

Draußen verschlechtert sich während unserer Anreise das Spätsommerwetter. Doch vor dem Abendessen im Taurerwirt und der Willkommens-Zeremonie, in der wir nicht nur die wichtige Rolle der Frauen dort oben in Osttirol kennenlernen, wollen wir in die Bergwelt des Nationalpark Hohe Tauern eintauchen. Wenn wir zügig gehen, könnten wir den Dorfersee in zwei Stunden erreichen. Ober wir uns da mal nicht verrechnet haben?

  1. Wanderung zum Dorfersee im Nationalpark Hohe Tauern
  2. Das herzliche Hallo der Familie Rogl im Taurerwirt in Kals im Nationalpark Hohe Tauern
  3. Die Geschichte des Taurerwirt in Kals im Nationalpark Hohe Tauern
  4. Ankommen, Zimmertür schließen und in die Kissen fallen

Wir tauschen Turnschuhe gegen Wanderschue, packen Trinkflasche und Regenjacke in den Rucksack und starten Richtung Dorfertal. 

Eine herrliche einfache Wanderung mit Start oberhalb der Dabaklamm. Kurz danach zeigen Informationstafeln den Wanderern: Dass es das Dorfertal heute so zu bestaunen gibt, ist nicht selbstverständlich. Ein Staudammprojekt hätte dieses Hochtal fluten sollen. Ein fleißiges Bergvolk aber wusste das zu verhindern und ließ das Tal somit 1989 Geschichte schreiben. Denn verhindert wurde nicht nur ein 222 Meter hohes sondern auch das größte Speicherkraftwerk Österreichs.

Die Almen bleiben den Tieren, uns Wanderern und der Bevölkerung auf lange Zeit erhalten. Verhindert worden ist, die Gletscherbäche aus den umliegenden Tälern umzuleiten. Bei einer Volksbefragung 1987 stimmten mehr als zwei Drittel gegen das Kraftwerksprojekt. Nur weniger Jahre später wurde der Nationalpark Hohe Tauern gegründet, der heute einen riesigen und unschätzbaren Naturschatz beherbergt. 

Wanderung zum Dorfersee im Nationalpark Hohe Tauern

Nach der Schlucht wird das Tal weiter und mit jeder Wegbiegung zeigt sich ein neuer Gipfel. Wasserfälle stürzen ins Tal. Aus wenigen Kaminen steigt Rauch. Viele Geschichten werden an verschiedenen Stationen auf der Wanderung zum Dorfersee erzählt und auch die Besonderheiten des Nationalparks (Der Geschichtenweg mit acht Stationen) finden Erwähnung. Hochmoore und Zirbenwälder zum Beispiel zählen dazu. Das Leben der Familien mit ihrem Vieh. Glaube und Geist. Vor allem aber die facettenreiche Vielfalt der Natur. Auf dem Weg weiter nach oben, plätschert das Wasser durch den Dorferbach nach unten. Es zeigt uns in entgegengesetzter Richtung den Weg zu unserem Tagesziel. Noch hält das Wetter. 

Kennt ihr das Gefühl von Leichtigkeit, dass einen in den Bergen erreicht? Obwohl man höher und höher steigt und die Anstrengung zunimmt, scheinen die Berge die Last abzunehmen. Als würde die reine Luft das Atmen erleichtern. Jeder Schritt entschleunigt mehr. Man will den erdigen Duft des Waldbodens oder die frische Zirbenbrise nur so aufsagen, die eine Windböe an unseren Wangen vorbeibläst. Oder die Energie des Wasser für die wieder stressigeren Momente des Alltags speichern.

Der Weg zum Dorfersee wird immer schmäler und verwandelt sich in den Zirbenwälnern zu einem Trampelpfad. Natürliche Steintreppen führen höher, der Glockner-Schiefer schimmert grün. Ein Schild signalisiert: Hier sind wir in der Kernzone des Nationalparks. 

Weiter führt der von Steinbruch zersetzte Weg Richtung Tagesziel. Der See versteckt sich noch in einer Hochtalsenke. Der Himmel über uns verdunkelt sich, bis die ersten Regentropfen fallen. Letztlich kündigt die freie Sicht auf einen weitere Bergspitze unser Ziel an. Ein paar letzte Schritte und der See breitet sich mit jedem Meter größer vor uns aus, bis sich der Gipfel des Tauernkogels darin spiegelt. Schneefelder sind fast gänzlich den warmen Sommermonaten zum Opfer gefallen. Die Regentropfen durchbrechen die spiegelglatte Oberfläche des Bergsees. Dieser Ausflug hat sich trotzdem belohnt. Gerne wüssten wir, welche Naturvielfalt sich hinter dem See öffnet. Doch das Abendessen im Taurerwirt wartet. Wenn wir uns jetzt beeilen würden, könnte Christophs Rechnung aufgehen und wir würden es tatsächlich rechtzeitig zur Begrüßung schaffen. Und die Bergwelt hinter dem Dorfersee, heben wir uns für einen weiteren Besuch auf.

Tipps für das Dorfertal:

  • Geschichtenweg Dorfertal
  • Jausn im Kalser Tauernhaus
  • Umrundung Dorfersee
  • Fernglas nicht vergessen
  • Wasserfälle bestaunen

Ein Nebeneingang führt zu einem separiertem Raum, in dem im Sommer die Wander- und im Winter die Schischuhe verstaut werden dürfen. Im Spint lagern wir unser Equipment vom kleinen Ausflug an den Dorfersee, huschen ins Zimmer und platzen nach einer Expressdusche mit ein bisschen Verspätung in die Begrüßung der Hotelgäste. In der Bibliothek des Taurerwirt, gleich links neben dem Eingang, spricht Christoph Rogl zu den anderen, als wir dazukommen. Er und seine drei Geschwister führen zusammen mit der Mutter den Taurerwirt in Kals (Osttirol). Wir schnappen uns die zwei letzten Plätze auf einer Bank und sind zum Glück nicht die allerletzten. Mit einem Gläschen Sekt schließlich hören wir gespannt dem Gastgeber zu.

Das herzliche Hallo der Familie Rogl im Taurerwirt im Nationalpark Hohe Tauern

Christoph Rogl begrüßt uns schließlich gesammelt noch einmal im familiengeführten Hotel Taurerwirt. Ein Wander- und Vitalhotel, das dort oben auf 1521 Metern Seehöhe an Herzlichkeit wohl kaum zu übertreffen ist. Dieses Gefühl zumindest ereilt die Kurzurlauber und Wanderer, Stammgäste und Taurerwirt-Neulinge gleichermaßen. Denn eigentlich ist die Begrüßung wie eine Aufnahme-Zeremonie in das Herz der Familie. Und somit sollte man eigentlich nicht von einer Begrüßung reden, sondern vielmehr von einer kleinen aber feinen Willkommens-Feier.

Christoph spricht nicht nur zu den Gästen, als wären sie Besucher. Er erzählt die Familiengeschichte, um zu verstehen, was die Urlauber und Erholungssuchenden in diesem Haus vorfinden. Die Familiengeschichte hat er sicher wieder und wieder erzählt. Es scheint jedoch nicht so, als würde sie deshalb an Bedeutung verlieren. Immer wieder finden sich die folgenden Werte wieder: Fleiß, Liebe, das Gespür für Soziales, Ökologie und Ökonomie. Freilich erzählt er von der Entstehungsgeschichte des Taurerwirts, die mit seinem Großvater Simon Rogl vor 80 Jahren beginnt. Von einer Jausenstation, dem Wintertourismus, dem Wiederaufbau, nachdem „ein Ofen zu stark angeschürt wurde“, erzählt Urenkel Christoph heute. Und dann gab es eben Pläne für eine neue Jausenstation.

Sechs Brüder waren es damals. Einer sei im Krieg gefallen, fünf weitere seien in Kriegsgefangenschaft gekommen. Und somit hatten – damals wie heute – die Frauen einen entscheidenden Beitrag für Kals, den Weiler Taurer und den Taurerwirt, hoch oben in den Bergen, geleistet. Denn die Frauen seien es gewesen, so erzählt Christoph weiter, „die wahre Wunder vollbracht haben“. Die mit Pferd und Pferdewagen Kopfsteine aus der Dabaklamm, mit Pickel und Schaufel aus dem Berg geschlagen und angeschleppt haben. Sie bauten den Taurerwirt auf und feierten einige Zeit später die ersten Sternstunden des Kalser Tourismus.

Die Geschichte des Taurerwirt in Kals im Nationalpark Hohe Tauern

1937 ist die Mühle am Kalser Bach zu einer Jausenstation umgebaut worden: vier Zimmer, eine Küche und ein Speisesaal. Zwei Jahre später konnten bereits Umsätze in Höhe von 570 Schilling erwirtschaftet worden, das ist der Familie überliefert. 1956 ist der Grundstein für das gelegt werden, das die Gäste im Taurerwirt heute sehen (und wer nach der Willkommensfeier noch nicht genug hat, kann sich im Hotel-Museum oder in den Büchern in der Bibliothek satt sehen und lesen).

Hinter dem heutigen Taurerwirt ist dieser Grundstein noch zu sehen, die Jausenstation – das spätere Gasthaus. Heute führt Christophs Cousin Martin Rogl den Bio-Bauernhof und das Landhaus Taurer. Damals sind die Touristen verköstigt worden, die über die Tauernstraße hoch Richtung Dorfer Tal gekommen sind. Für die legendäre Tauernplatte seien die Leute schon um elf Uhr vormittags angereist, erzählt man sich heute. Um eines vorweg zu nehmen: Der Taurerwirt blieb sich kulinarisch treu. Bietet heute hochkarätige Speisen aus regionalen Produkten an.

Der Taurerwirt

Wanderhotel im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol

Der Großvater sei es außerdem gewesen, erzählt Christoph, während die Gäste am Perlwein nippen, der Ideen für die Wanderwege mitgetragen hat. Und neben der Tierwirtschaft sei er in jeglicher Hinsicht ein fleißiger Mann gewesen. „Er hatte zehn Kinder. Einer davon war mein Vater Peter“, sagt der Restaurant-Leiter mit einem höflichen Grinsen. Zusammen mit seiner Frau Paula erweiterte Peter Rogl den Taurerwirt schließlich bis zum energieautarken (dank Wasser-Kraftwerk) Vier-Sterne-Betrieb mit 68 Betten. 1995 zählt der Taurerwirt zu den 36 Gründungsmitgliedern des Tourismusvereins Wanderhotels in Europa.

Und wie immer im Leben, wo Liebe und Leid untrennbar verbunden sind, so muss auch Christoph die Geschichte erzählen, wie sich seine Familie 2007 nach langer schwerer Krankheit von seinem Vater Peter Rogl verabschiedete. Die vier Kinder – er und seine drei Geschwister – unterstützen seither die Mutter im Hotel. Schwester Simone leitet das Marketing und ist begnadete Jägerin. Christina führt den Wohlfühl- und Wellnessbereich des Vitalhotels, übernimmt Kosmetik-Behandlungen und hat sich die Rezeptur für das Glockner Gletscherschliffpeeling patentieren lassen. Bruder Sigi ist Chef in der Küche, und Christoph leitet das Restaurant, ist Wein- und Schnapskenner und passionierter Fliegenfischer. Sie alle führen mit der Mutter heute den Betrieb weiter. Schwager Martin Gratz, der Mann von Schwester Christina, ist Winter wie Sommer Wanderführer und leidenschaftlicher Musiker (Vortrag zu Mythos Großglockner).

Freilich läuft das Hotel nicht ganz ohne den Vater. Er ist im Hotel an vielen Stellen gegenwärtig. Seine Familie wahrt sein Gedenken wie einen Schatz.

Nach Hotel- und Familiengeschichte bleibt noch ein wichtiger Punkt der Willkommens-Zeremonie offen, auf den sich die Gäste freuen. Wir bekommen einen weiteren Einblick in die so vielseitige Welt der Hohen Tauern. Christoph erzählt vom Glück, die drei Gebirgsgruppen vor er Tür zu haben: die Granatspitzgruppe, die Schobergruppe und die Glocknergruppe. Ebenso bedeutend sind die Täler: das Dorfertal, das Teischnitztal, das Ködnitztal und das Lesachtal.

Letztlich, aber nicht zum letzten Mal, stoßen wir auf eine schöne Zeit im Taurerwirt an. Auf bereichernde Wanderungen. Auf Ruhe und Kraft. Und ich meine auch, dass wir auf zwischenmenschliche Begegnungen anstoßen. Denn diese Familiengeschichte zu teilen, scheint zwar unumgänglich, um das weiterzuführen, was mit so viel Liebe begonnen wurde. Aber es ist auch nicht selbstverständlich, die Gast mit jenem tiefgründigen Blick auf das eigene Familienleben zu bereichern.

Ankommen, Zimmertür schließen und in die Kissen fallen

Ein wohltuendes Abendessen später fallen wir in die Kissen des Himmelbetts im Heidi-Zimmer. Auf uns kommen spannende Tage im Nationlapark Hohe Tauern zu. Unsere Notizbücher warteten nur darauf, gefüllt zu werden. Einen ersten eindrucksvollen Vorgeschmack gab es auf der Tour zum Dorfersee, den es auch geführt auf einer der Hotel-Wanderungen des Taurerwirt gibt.

Vorschau auf den nächsten Beitrag im Nationalpark-Tagebuch

Glockner-Gipfelblick-Tour vom Taurerwirt mit Übernachtung auf der Stüdlhütte und Rückweg nach Kals.

Weiter Tipps für den Nationalpark Hohe Tauern und Osttirol

Pressereise

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit von Pineapple Loves mit dem Nationalpark Hohe Tauern entstanden. Vielen Dank für die Einladung.

Hinweis bezüglich Corona: Durch die Ausgangsbeschränkungen sind Reisen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht möglich. Umso wichtiger ist es mir, die Gastgeber vor Ort zu unterstützen. Hierzu zählt der Nationalpark Hohe Tauern und seine Partner.

Verena nimmt euch mit an magische Orte und schreibt über andere schöne Dinge. Lasst euch auf ihrem Reiseblog Pineapple Loves inspirieren.

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