Roadtrip durch die Dolomiten

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10 Tage im Camper: Vom Virgental über die Dolomiten an den Gardasee

Was darf bei einem Roadtrip auf keinen Fall fehlen? Der Camper natürlich, eine grob geplante Route, ein bisschen Proviant, gute Musik und bestenfalls ein unbestimmtes Ende. Hab ich noch etwas vergessen? Man muss ja sagen: Eigentlich kann man bei einem Roadtrip gar nichts falsch machen. Jede Ungereimtheit wird zum nächsten Abenteuer, jede Panne zur gern erzählten Urlaubsanekdote. Für mich war klar: Ich wollte in diesem Jahr endlich einmal die Dolomiten sehen, tief eintauchen in die vielen Täler und hochsehen an den steilen Felswänden, die sich in den Bergseen spiegeln. Appetithäppchen dafür war vor nicht allzu langer Zeit mein Besuch auf der Dolomitenhütte in den Lienzer Dolomiten – ebenfalls beeindruckend, aber es sollte noch viel schöner werden. Anfang und Ende der Tour liegen zwar nicht in den Dolomiten, dafür geben sie der Reise einen schönen Rahmen.

Osttirol, Südtirol, Piemont, Venetien – die Strecke für die nächsten zehn Tage stand ganz grob fest. Alles gepackt und vorbereitet hole ich das Wohnmobil ab. Ein paar Kilometer geht alles gut und dann ein tiefes Röhren. Nie ein gutes Zeichen. Nicht, wenn man allein durch den Wald spaziert (Wildschweine) und erst recht nicht nachts allein auf der Straße. Der Auspuff will also bei der Urlaubsplanung auch noch ein Wörtchen mitreden. Das Ding kracht schließlich komplett ab, der Wagen muss in die Werkstatt und die Tour startet erst einen Tag später. Kurzer Dämpfer der Vorfreude, aber alles halb so wild. Am Abend erwacht die Lieblingsbar aus dem Sommerschlaf. Cheers auf den Urlaub. 

Perfekter Auftakt des Roadtrips Richtung Dolomiten

Es gibt diverse Verbindungen in die Dolomiten, schön ist kaum eine: Urlauber verbringen viel zu viel Zeit auf der Straße. Ich aber will unbedingt einen Abstecher nach Osttirol machen. Wenn also schon den Hintern im Camper plattsitzen, dann mit einem beeindruckenden Höhepunkt zu Beginn. Beide meiner Besuche in Osttirol, einer sehr sonnenverwöhnten Region Österreichs, waren bislang viel zu kurz. Auf meiner letzen Pressereise zum Großglockner habe ich von den Umbalfällen und einem schönen Höhenwanderweg zum Ursprung des wilden Gletscherflusses „Isel“ gelesen. Da wollte ich wieder hin, und das lässt sich auch super verbinden. 

Die Umbalfälle in Osttirol Österreich mit Gutwetter-Garantie

Die Umbalfälle entstehen aus der Isel, einem wilden Gletscherfluss, der von alpinen Sturzbächen und mehreren Gletschern gespeist wird. Die Umbalfälle lassen sich auf einem neu angelegten,  schönen Erlebnis- und Sinnepfad erleben und dort im Virgental ist das sogar der erste Wasserschaupfad Europas. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Ströden auf 1403 Metern. Die Clarahütte liegt auf 2038 Metern (Tipp: Knödel nach Tagesangebot).  Die reine Besichtigung mit Begehung dauert in etwa 90 Minuten. Die Tour lässt sich allerdings erweitern auf insgesamt rund fünf Stunden, wenn man den wunderschönen und beeindruckenden Aufstieg zur Clarahütte erleben möchte.

Der Weg hat nur zu Beginn einen steilen Anstieg, später wird der Pfad flacher und lässt viele Möglichkeiten, den Blick auf die umliegende Bergwelt schweifen zu lassen. Vorbei an einem in den Stein geschlagenen Häuschen führt der Weg überhalb der Umbalfälle an der wilden Isel entlang, über eine Brücke geht es schließlich immer weiter Richtung Hütte, die in Rufweite zum Welitzkees-Gletscher liegt. Die Rötspitze wacht über dem Umbaltal. An den Hängen tanken Murmeltiere Kraft in der Sonne und pfeifen Alarm, sobald sich ein Mensch nähert.

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Der Großbachfall im Umbaltal
Der Großbachfall im Umbaltal

Der Großbachfall im Umbaltal

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Die Umbalfälle
Die Umbalfälle

Die Umbalfälle

Umbaltal: Die Kraft des Wassers spüren

Im Umbaltal ist das Wasser die dominierende Kraft. Das liegt aber nicht nur an den Wasserfällen zu Beginn das Hochtals, sondern auch an den vielen Sturzbächen, die von den umliegenden Gletschern gespeist werden. Mancher Wasserfall fließ sogar direkt unter dem Wanderweg durch und wäre es etwas wärmer gewesen, ich hätte mich glatt unter diese Naturdusche gestellt. Das Wasser ist im Umbaltal so präsent, dass sogar ein Pfad geschaffen wurde, der sich ganz diesem Thema widmet: der Natur-Kraft-Weg. Auch auf dieser Tour lassen sich die Umbalfälle gut erkunden. 

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Die Islitzer-Alm an den Umbalfällen in Osttirol, Virgental
Die Islitzer Alm

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Campingplatz Umbaltal
Campingplatz Habererhof im Virgental

Nach einem Abstecher in die Islitzer Alm lenke ich die Karre zurück auf den Campingplatz am Habererhof nach Niedermauern. Ein sehr schön gelegener Grund mit einfacher Ausstattung aber sauberen Sanitäranlagen (für Warmwasser zum Duschen zahlen Urlauber extra, Strom und Wasser für den Camper sind in der Platzmiete inbegriffen). 

Roadtrip durch die Dolomiten Von den Drei Zinnen bis zum Tal der Bären

Nach dem schönen Aufenthalt in Österreich machen wir in Italien Stopp am Toblacher See, bevor es am nächsten Morgen ganz früh zu den Drei Zinnen geht. Der Eco-Campingplatz direkt am See ist sicher der schönere in dieser Ecke. In der Nebensaison können es Camper sogar wagen, spontan zu fragen, ob noch Plätze frei sind. In der Hochsaison ist das allerdings nicht empfehlenswert. Mit einer Pizza am See lässt sich nach einer Bootsfahrt und einer schnellen Umrundung so ein weiterer schöner Tag in den Bergen beenden. 

Roadtrip zu den Drei Zinnen in den Dolomiten

Was wurden sie schon fotografiert, beschrieben und bewandert: Die Drei Zinnen in den Dolomiten gehören zu den markantesten Bergformationen der Alpenwelt und sind von jeder Seite beeindruckend, aber nur von einer haben sie den Wiedererkennungswert. Sommer wie Winter ist die Region für Sportler jeden Levels zu haben: Spaziergang, Klettertour, ein Bier auf der Hütte: Niemand muss hier Abstriche machen. Ein Tipp an dieser Stelle: Spart euch die teure Maut von rund 35 Euro und fahrt mit dem Bus für etwas mehr als 3 Euro hoch zum Ausgangspunkt der Umrundung an der Auronzo-Hütte und wieder herunter.

Kurzgeschichten aus den Dolomiten

Auf jeden Fall sollte man auch nicht alles glauben, was einem dort verzapft wird. Ein älterer Herr will mich doch glatt davon überzeugen, dass hier Enzian am Wegesrand wächst. Kurz geschüttelt von der Euphorie, diese seltene Pflanze zu sehen, holt mich mein Verstand schnell wieder auf den Boden der Tatsachen. Enzian an einem der meistbegangenem Wege der Dolomiten – sicher eine Verwechslung, was sich später beim Enzian-Fakten-Check bestätigt. 

Und wenn man da so schreitet auf dem Weg um die Drei Zinnen, da muss man sich schon fragen: Drei? Das sind doch mindestens fünf Zacken und wer einen Blick auf die Karte wirft, der sieht, dass es da auf der südwestlichen Seite ein paar mehr Erhebungen gibt, die im Schatten sichtbar werden. Einige Tage später ist es Blogger-Kollege Sven von The Backpacker ebenso gegangen. (viele grüße an dieser Stelle, lass uns mal wieder eine gemeinsame Tour machen 🙂 ) Der Spannungsfaktor, bis man die Drei Zinnen wirklich aus der richtigen Perspektive erkennt, bleibt bei der Tour oben, bis man zu einem Kamm auf der Nordseite gelangt und sich das bekannte Rätsel endlich lüftet.

Die Drei Zinnen beeindrucken, nicht aber die Massen die um diese schöne Bergformation pilgern. Immerhin sieht es auf meinen Fotos nicht nach Massenveranstaltung aus. Das muss man hier beim Unesco-Weltkulturerbe in Kauf nehmen. Auf der Dreizinnenhütte unbedingt noch ein Bier süffeln und die Aussicht genießen. 

Hallo schöner Unbekannter: Der Lago di Molveno

Vom Lago di Molveno hab ich vor meiner Reise in die Brenta Dolomiten und die Welt der Bären noch nie gehört. Die Region kannte ich, aber was ich dort sehen und erleben durfte, übertraf dennoch viele Erwartungen. Empfehlenswert ist auch am Lago di Molveno ein Besuch nach den Sommerferien und in der Nebensaison. Überzeugt euch in den Bildern selbst. Empfehlenswert ist die Umrundung des Sees und wer es wissen will, sollte sich unbedingt über Wanderungen und Bergtouren in die Brenta Dolomiten selbst erkundigen. Ihr findet in den Bergwelten brauchbares Material, auch für Ambitionierte.

Roadtrip durch die Dolomiten am Gardasee beenden

Zu guter letzt komme ich nach gut acht Tagen am Gardasee an. Pizza bei Pedro in Malcésine. Eine Tour Richtung Gipfel des Monte Baldo. Und der krönende Abschluss in Torbole am Circulo de Surf auf dem SUP machen den Roadtrip zu dem, was er sein soll: unvergesslich.

Hinterlasst mir einen Kommentar: Was war euer schönstes Erlebnis in den Dolomiten oder am Gardasee?

Danke fürs Vorbeischauen

Aloha

Verena

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