Australien: Im Heli über den Kings Canyon

Kings Canyon: Die größte Schlucht Australiens

Irgendwann hört die Straße auf. Baustelle. Danach folgt ein staubiger, unbefestigter Weg, teilweise nur noch Sand. Knapp 70 Kilometer fahren wir mit unserem Camper ohne Allradantrieb über die roten Pisten. Wir wollen nicht mehr auf den asphaltierten Stuart Highway umdrehen, es ist schon spät in der Nacht. Sinnvoller wäre es gewesen. Wir haben allerdings bereits knapp 500 Kilometer heruntergerissen und wollten endlich ankommen. Auf der unbefestigten und von Wasserrinnen durchzogenen Straße sollte unser Auto nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren. Es sollte laut Vermieter dort gar nicht fahren. Plötzlich taucht vor uns eine Herde Kamele auf. Ich bremse ab, ziehe den Schlüssel aus dem Zündschloss und atme erst einmal durch. Das Klimpern und Klirren des Geschirrs und des Bestecks, das in den Schubladen durchgeschüttelt wurde, stoppt. Mama auf dem Beifahrersitz sagt schon länger nichts mehr, krallt sich nun weniger in die Beifahrertür und verdreht weiter die Augen. Sie denkt sich wohl, der Stuart Highway wäre zwar länger, aber deutlich nervenfreundlicher gewesen (Sorry nochmal…). Wir steigen aus, die Kamele verschwinden im Passgang vor uns in den Büschen. Wir trinken Wasser, versuchen die Müdigkeit zu vertreiben. Über uns liegt die Milchstraße, so schön und klar, wie sie in Deutschland niemals zu sehen ist. Millionen von Sternen scheinen über uns. Der Anblick lässt für einen kurzen Moment die Qualen der Fahrt vergessen. Zwei Stunden später trudeln wir auf dem Campingplatz Kings Canyon Resort ein. Wurde aber auch Zeit!

Wer vom Red Centre Australiens hört oder spricht, dem fallen viel Wüste, roter Stein und womöglich der Uluru (Ayers Rock) ein. Doch um Alice Springs herum gibt es weitaus mehr Schätze, als diesen riesengroßen, roten Stein. Der Kings Canyon ist mit rund einem Kilometer Breite und fast 100 Metern Höhe die größte Schlucht im Watarrka Nationalpark (Northern Territory), sogar die größte Schlucht in ganz Australien. Der Sandstein leuchtet unter der Sonne in Orange-, Gelb- und Rottönen. Staub kriecht ständig in die Nase, denn selbst im Winter hat es tagsüber 25 Grad und die Luft ist trocken. Die Fliegen landen mit ihren kalten Beinen bevorzugt auf jeder unbedeckten Stelle des Körpers. Ich habe mich nie daran gewöhnt. Dabei waren es vergleichsweise wenige Fliegen. Im Sommer ist ohne Mückenschutz beinahe kein Ausflug möglich, ohne nicht wild um sich zu schlagen, um die Biester zu vertreiben.

Der Watarrka Nationalpark aus der Ferne.
Der Watarrka Nationalpark in der Ferne. Das Massiv ist bis zu 200 Meter hoch.
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Das Kings Canyon Resort
Kein Grün ohne Wasser. Im Kings Canyon liegen Wasserbecken.
Kein Grün ohne Wasser: Im Kings Canyon liegen Wasserbecken.

Das Massiv des Nationalparks ist im Schnitt 200 Meter hoch. Bereits weit aus der Ferne erkennen Reisende die Erhebung. Das Gestein liegt oft recht bröckelig aufeinander. Die meisten Wanderwege in diesem Gebiet sind selbst bei wenig Kondition gut machbar. Allerdings sollten Besucher darauf achten, dass sie morgens unterwegs sind und die Mittagshitze meiden. Vor allem im Sommer sind Fliegennetze wichtig. In der Nähe der Oase wachsen Farne und Feigenbäume, ansonsten wuchert trockenes Gestrüpp. Eine Felsformation am Kings Canyon heiß Lost City, weil die Gesteinsformationen Gebäuden ähneln.

Hier startet der Kings Canyon Walk.
Hier startet der Kings Canyon Rim Walk.

Kings Canyon

Blüten auf rotem Stein.
Blüten auf rotem Stein.

Der Trip zur Oase Garten von Eden und über die roten Felsen an der Schlucht entlang ist spektakulär. Allerdings gibt es Eines, was das ganze toppt: Ein Flug mit dem Helikopter über den gesamten Nationalpark. Wie man von Weitem bereits erkennt, liegt das ganze Massiv im Schnitt 200 Meter hoch. Als wir darüber fliegen, sehen wir, an welchen Stellen der teils kräftige Regen abfließt und mit welcher Gewalt das Wetter sonst seine Spuren hinterlassen hat. Nach aktuellem Wechselkurs kostet ein gut zehn Minuten langer Rundflug pro Person 65 Euro. Bespaßung durch den Piloten inklusive.

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Die Mum wünscht sich einen Heli-Flug….
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… also anschnallen und los gehts!
Blick auf Kings Canyon
Blick auf Kings Canyon
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Knips, knips.
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Der Nationalpark mit der größten Schlucht, dem Kings Canyon

Im Kings Canyon gibt es mehrere Angebote für diejenigen Urlauber, denen eine Wanderung schnell zu langweilig wird. Diese reichen von Quad-Fahren und Klettern bis hin zur Tour auf Kamelen. Details gibt es auf dieser Internetseite.

In eigener Sache: Meine Mama hat mich besucht, als ich in Australien war. Es gibt nichts Schöneres, als mit einem wunderbaren Menschen wunderbare Momente zu teilen. Der ein oder andere Nerv von ihr blieb allerdings auf der Strecke, da mein Sturschädel ziemlich ausgeprägt sein kann. Ich würde im Nachhinein allerdings nichts anders machen. Sonst könnte sie keine der Geschichten weitererzählen, die daraus resultierten. Harrrharrr. Zum Beispiel die, als wir später in Alice Springs unseren Flug verpasst haben, weil wir beinahe endlos damit beschäftigt waren, den Camper so zu hinterlassen, dass keine Spur roter Sand mehr irgendwo zu sehen war. Und ich sag euch Eines: Die Mischung Outback, roter Sand und Morgentau gibt eine ziemlich resistente Schmutzschicht.

Wanderwege im Kings Canyon

Kings Creek Walk Auf dem kürzesten aller Routen gehts direkt in die Schlucht hinein. Vor allem wenn es heiß ist, bietet sich diese Wanderung an, da hier viele Wege im Schatten liegen. Der Weg führt am schmalen Flussbett Kings Creek entlang. In etwa einer Stunde und nach 2,6 Kilometern hat man das Tal voller Steinbrocken inklusive Rückweg wieder verlassen. Unterwegs gibt es die Möglichkeit, die Aussicht von einer Plattform aus zu genießen.

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Tücher schützen den Baum.
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Kings Canyon Creek Walk

Kings Canyon Rim Walk Der Rundweg von etwa sechs Kilometern ist in gut drei Stunden zu schaffen. Stationen: Schlucht, Treppen, Dome, Garten von Eden und Spinnen, die ganz harmlos in ihren zwei Quadratmeter großen Netzen auf schreckhafte Spaziergänger warten.

Giles Track Etwa 22 Kilometer nach Kathleen Springs. Fitness vorausgesetzt, nicht zwischen November und März. Wer diese Tour machen möchte, sollte sich gut vorbereiten und den Einheimischen im Resort oder an der Kings Creek Station bescheid geben. Ein Feature auf dieser Tour ist: Campen ist zwischen Kilometer drei und 22 erlaubt. Wild campen geht sonst üblicher Weise in Australien nicht.

Unterkünfte

Kings Canyon Resort

Kings Creek Station

Kings Canyon Wilderness Lodge

Anreise Kings Canyon

Aus dem Norden: Von Alice Springs über die Ernest Giles Road in etwa 3,5 Stunden, 70 Kilometer unbefestigte Straße (Allrad) oder aber die sichere Variante, wenn man ohne Allrad unterwegs ist, über den Stuart Highway, 461 Kilometer in gut 4,5 Stunden.

Aus dem Süden: Vom Uluru etwa 306 Kilometer, gut drei Stunden über Stuart Highway.

Flughafen: Flüge von Sydney, Melbourne oder Cairns gehen nach Alice Springs oder Uluru (Ayers Rock)

Bus: Das Unternehmen AAT fährt regelmäßig zum Kings Canyon. Hier gehts direkt zur Buchung.

Nicht vergessen

Fliegennetz: Die kleinen Biester können einem je nach Jahreszeit den letzten Nerv rauben.

Trinkwasser: Immer Kanister auffüllen und beim Wandern mindestens einen Liter pro gewanderte Stunde einplanen.

Warme Klamotten: In den australischen Wintermonaten (Mai bis August) kühlt es nachts teils bis auf Null Grad ab. Packt einen Hoody und dicke Socken ein und wundert euch nicht, wenn morgens die Scheiben im Camper nass und angelaufen sind.

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